Neues Interior: Motto eröffnet mit Samt & Leder

Extravagant ist für das Motto keine Herausforderung. Das war es immer. Doch in letzter Zeit schien es etwas in die Jahre gekommen. Gut, dass sich der neue Eigentümer Tom Sampl für einen Tapetenwechsel entschied. Und was für einen! Apropos Tapeten: Die mussten weichen. Ein Team aus Patinierern rund um Fabian Seiz war über drei Wochen beschäftigt, den perfekten Used-Look herzustellen.

Mit Multitalent Laura Karasinski stieg das Motto nach 43 Jahren Bestehen auch gleich in eine neue Ära auf. Sie war für das Look & Feel und die Entwicklung des Interiors zuständig, kombinierte ihre eigenen Prints in Vorhängen mit jenen von Hermès – gelungen! Dazu kam an Bord Gerd Zehetner (archiguards), der Architektur & Planung übernahm.

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Insgesamt 3.800 handgemachte Knöpfe wurden in den Polsterungen aus Samt verarbeitet, die sich jetzt an die Wände schmiegen. Dazu kommt eine großen Neonbeleuchtung über der Bar, die dem dunklen Grün einen Twist gibt. Marmor, Messing und Samt wurden mit Alabaster und Leder kombiniert, die sich jetzt an jenem Ort eingefunden hat, der sich gerne als Wohnzimmer einer „Familie“ nennt, die die Wiener Popkultur erfand. Hier zeigte auch Helmut Lang (als Barmann hieß er damals noch „Bubu“) seine erste Kollektion – aus Tischtüchern. Falco ging hier ein und aus. Mehr braucht man dann nicht mehr hinzufügen, um eine Künstlerära zu beschreiben, die sich mit dem Motto ein Epizentrum geschaffen hat.

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Franz Thell, der „Vater“ des Motto, hat die Neueröffnung leider nicht mehr miterleben können. Er starb 2013. Die Erinnerungen leben aber nicht nur in den Mauern weiter. Wiens legendäre Barfrau Marianne Kohn formulierte es für den Standard mit ihren Worten: „Er hat uns das Leben gerettet, sonst wären wir gestorben vor Fadesse.“

Die Fadesse wird in Wien nie wieder einkehren. Zuviele Clubs und Restaurants haben in den letzten Jahrzehnten eröffnet. Gerade aber deswegen bleibt das Motto hinter seiner schweren Metalltür an der selbst manch eingefleischte Motto-Freunde mit dem Blick aufs Smartphone gerichtet, schon mal vorbeigetrabt sind, eine Legende, die mit Tom Sampl einen neuen Master of Ceremony gefunden hat.

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So dürfen auch die berühmten Marmortische aus den Anfangstagen und ein Luster aus dem Motto-Archiv wieder im Rampenlicht stehen. Dazu kommt die modernste Lichttechnik zum Einsatz, die bis dato in Österreich einzigartig ist. Soviel zum guten Licht!

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Die Planungen für die Umbauphase starteten übrigens vor einem Jahr in Form von Geschichtsrecherchen. 120 Personen waren schlußendlich in diesem heißen Sommer damit beschäftigt dem Motto ein neues Gesicht zu geben. Dazu wurden auch die Freskenmaler Sascha Vernik & Franz Varna beauftragt, die im hinteren Teil ein epochales Gemälde geschaffen haben. Dieses ist mit einer Fotografie verbunden, die dem Werk eine Dreidimensionalität gibt.

Hell und verspielt ist der Innengarten, der mit weißem Kies und schweren Eisensesseln bald wieder so manchen Frühlingsabend verschönern wird. In der Ecke plätschert ein Brunnen in eine emaillierte Badewanne, unter der Laube lässt es sich auf der Bank schön über die Wiener Society mauscheln. Was will man mehr?

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Fotos: Daniel Gottschling

 

 

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2 Comments

  1. Vintage-Vibes in Wien: Das KLEINOD eröffnet - WohnZin.com

    29. Oktober 2015 at 19:58

    […] Neues Interior: Motto eröffnet mit Samt & Leder […]

  2. Wie 2016 ein Killer wird? Laura Karasinski hat 2015 schon mal angefangen. | Stylekingdom

    12. Januar 2016 at 15:43

    […] suchten, war Laura in den altehrwürdigen Gemäuern des Motto in der Schönbrunnerstraße als Creative Director unterwegs und krempelte es zum Wonderland um. Was dann folgte, war sehr ungewöhnlich für das stets maulende und nörgelnde Wien: Die Kritik […]

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